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Im siebten Himmel

Als Mariannte und Manfred Rupp vor 28 Jahren ihre Metzgerei im kleinen bayerischen Gachenbach gründeten, hätten sie sich nicht träumen lassen, 2017 ihre siebte Filiale zu eröffnen und 100 Mitarbeiter  zu beschäftigen. Genauso stolz sind sie auf ihre Kinder, die sich alle vier aus freien Stücken für einen Berufsweg im Familienunternehmen entschieden. Marina, Michael und Manfred arbeiten im Verkauf in den Filialen bzw. kümmern sich um die betriebsinterne Koordination. "Nie hätte ich sie gedrängt, sich beruflich in diese Richtung zu entwickeln", freut sich der Metzgermeister darüber. Sein jüngster Sohn entschied sich gerade für eine Ausbildung zum Koch. Wer weiß, ob er nicht bald dem heute nur noch für Veranstaltungen geöffneten Gasthaus am Hof in Gachenbach neues Leben einhaucht?

ALLES IN EINER GENERATION

Dort befindet sich auch die kleine Metzgerei, mit der alles begann. Der 51-jährige erzählt: "Eigentlich wollte ich nie Metzger lernen. Da meine beiden Onkel als Junggesellen am Hof mitarbeiteten, war für mich kein Platz. Mein Vater sagte: Du lernst jetzt Metzger, das brauchen wir für die Wirtschaft". Damals schlachtete der Vater eine Sau pro Woche im Keller. Nach und nach brachten immer mehr Menschen ihre Schweine zur Hausschlachtung. "Damals haben wir ein Schlachthaus gebaut. Dann kam der kleine Laden dazu", sagt er. 1995, fünf Jahre später, übernahm er die erste Filiale im Nachbarort Kühbach. Wieder drei Jahre später kam eine Verkaufsfiliale in Aichach dazu und weitere drei Jahre später kauften die Rupps eine Metzgerei mit Grundstück in Friedberg. Es folgten Filialen in Altomünster und Pöttmes. Die große Filiale in Mühlried bei Schrobenhausen entstand vor einem Jahr auf dem neuesten Stand von Technik, Design und Ladenbau (Schrutka-Peukert). "Wir würden die anderen Filialen auch gerne so gestalten, aber dafür braucht man mehr Platz, als uns dort zur Verfügung steht", erklärt Manfred Rupp. In Kühbach, Aichach und Friedberg gibt es ebenso Sitzmöglichkeiten; an den anderen Standorten Stehtische. Überall werden viele To-go-Speisen in Warmhalteboxen mitgenommen.

Jede Filiale produziert das Essen fürs Mittagsgeschäft selbst, bis auf handgemachte Spätzle, Kraut- und Karottensalat, die unter der Leitung von Marianne Rupp in der Gasthausküche vorproduziert werden. Dazu kümmert sie sich um den Catering-Bereich, der etwa 5% vom Gesamtumsatz ausmacht.

EIN GROSSER SPAGAT

Tochter Marina ist die Chefin der neuen Filiale in Mühlried, die ca. 40% vom Gesamtumsatz erbringt.Ihr gelingt in der modernen Filiale mit schöner Deko und stilvollen Postern sowie dem geräumigem Restaurantbereich mit 65 Sitzplätzen innen und weiteren 40 im Sommer draußen der große Spagat: Nicht nur typische Metzgereikunden, sondern auch die jüngere Generation geht hier ein und aus. "Um ein solches Objekt mit Betriebs- und Kühlräumen, Küche und Laden mit Sitzbereich einzurichten, investiert man eine halbe Million Euro allein in die Einrichtung - ohne laufende Kosten. Da muss das Geschäft am Standort schon flutschen", sagt der Metzger. Das Kunststück gelingt hier mit 13 Mitarbeitern, von denen zwei in der Gastroküche stehen, die dem täglichen Ansturm gerecht wird.

Nach dem Frühstücksgeschäft kommen ab 10.00 Uhr die Mittagsgäste. Auf dem täglich wechselnden Speiseplan steht gutbürgerliche Küche. täglich stehen etwa acht Gerichte zur Wahl, darunter stets Schweinebraten, Beliebt ist donnerstags das Weißwurstessen und speziell in der Winterzeit mittwochs schlachtfrisches Kesselfleisch. "Es muss am Schlachttag gekocht sein, dann gelingt es, den eigenen Fleischgeschmack zu erhalten", erklärt Manfred Rupp. Mittwoch ist einer der beiden wwöchentlichen Schlachttage. Nach dem Schlachten und Zerlegen wird das Kesselfleisch in der Gasthausküche gekocht und von einem der beidne Fahrer, die täglich Ware in die Filialen liefern, sofort nach Mühlried transportiert. "Da stehen die Leute schon an. Viele essen vor Ort, Ältere holen sich das Fleisch auch mit Schalen ab, um es zuhause zu essen", erklärt der Seniorchef. Auszug aus der FH Fleischerhandwerk 1-2019 aus der Rubrik Fleischer mit Erfolg.

Friedberg, Altomünster und Mühlried/Schrobenhausen wurden vom Ladenbauer Schrutka-Peukert aus Kulmbach bereits umgebaut.